Im Gespräch mit Chris Gonz

Mein Plauen – im Gespräch mit Plauener Kunstschaffenden

Star ohne Starallüren

Es war ein kurzer Anruf und schon hatte ich das Okay: "Komm vorbei und ich mache dir einen Kaffee." Also bin ich los und habe Chris Gonz in seinem Fotostudio auf der Bahnhofstraße besucht. Das Gebäude ist, wie Chris selbst, etwas Besonderes – eine Wendeltreppe nach oben und schon standen wir in seinem Atelierbereich.

Ich überlegte kurz, wie lange ich den freischaffenden Fotografen schon kenne. In den 90er-Jahren haben wir uns das erste Mal getroffen, damals in der Johanniter-Jugend. Fast alle Musiker der damaligen Schülerband „Flying Rubberboots“ waren dort vertreten. Chris spielte Geige, Bass und noch viel mehr – ein begnadeter Musiker in meinen Augen.

Viele Jahre später rief ich ihn an und fragte, ob er zu Weihnachten ein Fotoshooting bei mir auf Arbeit machen möchte. Zu dieser Zeit begann Chris gerade mit seiner Fotokarriere. Zwei Jahre kam er Weihnachten vorbei und fotografierte Kinder und Eltern. Noch heute zieren diese Bilder bei vielen Familien die Wände, obwohl ihre Kinder in der Zwischenzeit alle erwachsen sind.

„Lars ... dein Kaffee ist ready!!!" So schnell, wie ich in meinen Gedanken war, so schnell holte Gonz mich auch wieder hier heraus. „Erzähl doch bitte etwas von dir!", sagte ich und schon war Gonz im Redefluss:

„Hier schau mal ... in diesem Buch werden die Werke der besten Fotografen aus Deutschland gezeigt und ich durfte schon zweimal hintereinander vertreten sein. Ich freue mich sehr darüber und das Fotografieren ist einfach meine Leidenschaft, aktuell sind die Aufträge natürlich eher gering. Meine Auftraggeber sind Schauspiel- und Werbeagenturen, Musiker und Künstler. Diese Branche leidet gerade sehr.

Ich muss ständig umdenken, um am Ball zu bleiben. Das sollte aber kein Problem sein, denn in meinem Kopf sind viele neue Ideen und Projekte. Nun konzentriere ich mich darauf, weitere Wege zu gehen und mich vielseitiger aufzustellen. Ich bin viel mit Musikern und Künstlern unterwegs und erstelle Buchcover, Broschüren, CD-Cover, Titelseiten und spüre dabei immer, dass mich die Musik in den ganzen Jahren immer begleitet und nie loslässt. Mit meiner Band bin ich schon am Proben und das ist ein tolles Gefühl.

Auch habe ich meine Website neu konzipiert und so neue Kundschaft hinzugewonnen. Außerdem bin ich mehr und mehr als Videoproduzent unterwegs – ein Glücksfall, den ich unter anderem Heinz Rudolf Kunze zu verdanken habe. Als ich mit ihm unterwegs war, filmte ich immer kleine Sequenzen und erstellte am Ende ein Musikvideo. Er war davon so begeistert, dass Universal-Music dieses auch gleich zu einem offiziellen Video veröffentlicht hat.

Aber weißt du was, mich kennen doch so viele Menschen hier, lass uns lieber über mein neues Projekt reden, ich würde es dir gerne einmal vorstellen: Du weißt doch, dass ich in der Villa der Hempelschen Fabrik wohne. Dieses Haus liegt mir sehr am Herzen. Mit viel Liebe habe ich vor 20 Jahren die Räume renoviert und teilweise restauriert.

Das hat auch seinen Grund. Mein Großvater war Fahrer von Herrn F.A. Hempel und als Kind erzählte er mir viele spannende Geschichten über seinen Arbeitgeber. Hier fühlt man sich der frühen Plauener Industriekultur sehr nah.

Ich habe viele Anfragen, teilweise aus ganz Europa und reise viel umher. Doch das wunderschöne Plauen habe und werde ich nie verlassen. Nun ist es an der Zeit, dieser Stadt etwas zurückzugeben. Ich möchte mich noch mehr einbringen und einen Mehrwert schaffen. Aus diesem Grund habe ich schon länger den Wunsch, mich bei der Umgestaltung des Hauses aktiv zu beteiligen.

Ich könnte mir gut vorstellen, im Erdgeschoss einen Ausstellungsbereich zu schaffen, in dem Künstler ihre Werke zeigen und vorstellen können, dazu noch Vorträge und Sonderausstellungen zur Nacht der Museen oder zum Tag des öffnen Denkmals anbieten. Gerne kann man den Bereich auch für Veranstaltungen nutzen.

In der mittleren Etage bekommt man etwas für die Ohren. Hier soll Musik erklingen. Das Spektrum reicht von privaten Musiklehrern und Projektarbeiten bis hin zur Nutzung der vorhandenen Instrumente. Hier könnte auch ein Lernatelier ein neues Zuhause finden, es geht darum, Kindern mit Lernschwächen eine sozialpädagogische Betreuung zu bieten, um sich mit Kunst ausdrücken zu können.

In der oberen Etage soll ein Tageslichtatelier für Videoschnitt, Digitallabor, Hohlkehle u. v. m. entstehen. Dieses Haus wäre auf Grund seiner Lage ein idealer Ort für Kreativität und Innovation. Ich würde mich sehr freuen, wenn diese Idee auf viel Gegenliebe stößt und wir hier etwas Tolles für die Menschen dieser Region schaffen können.“

Mein Motto ist immer: Ich drücke gerne Knöpfe – am liebsten höre ich dabei das Geräusch des Auslösers" und vielleicht kann dieses Interview ja schon ein Auslöser sein.

Chris Gonz

Lieber Chris Gonz, ich danke dir sehr für deine Zeit und für das ideenreiche Gespräch.

Eins möchte ich dir noch sagen: Behalte deinen Optimismus! Ich kenne dich nur mit einem Lachen im Gesicht und tausend guten Ideen.