Im Gespräch mit Jugendzentrum Oase e.V.

Mein Plauen – im Gespräch mit Plauener Vereinen

Jugendzentrum Oase e.V. – Treffpunkt für alle Generationen

Im Jahr 1984 öffnete der Club Chrieschwitz im Hang das erste Mal seine Türen. Seither wurde dieses Gebäude immer als Jugendzentrum genutzt. Nur nach der Wende war es kurz geschlossen, bevor der Plauener Jugendring sich für die Wiedereröffnung einsetzte und die Einrichtung in eigner Trägerschaft bis 1998 leitete. In dieser Zeit wurde in Abstimmung mit den Jugendlichen der Name „Oase“ gefunden. Am 5.11.1998 gründete sich der Verein Oase e.V. und übernahm die Trägerschaft. Später erfolgte die Anerkennung als freier Träger Jugendhilfe.

Seither ist die Oase als Einrichtung der Jugendförderung und gleichermaßen stadtteilorientierte Freizeitstätte mit vielen Aufgaben und Funktionen bedacht. Sie ist Ort der Begegnung und bietet Raum für Veranstaltungen, Projekte, Arbeitskreise und generationsübergreifende Angebote mit Senior*innen des Stadtteils. Die Oase ist die einzige barrierefreie Kinder-und Jugendeinrichtung des Vogtlandkreises und richtet ihre Angebote auch an junge Menschen mit Behinderung. Die Oase ist ein wichtiger Anlaufpunkt im Stadtteil Chrieschwitz und erfährt von den Kindern und Jugendlichen täglich große Wertschätzung.

Doch wie war das letzte Jahr für die Oase? Dieser Frage bin ich einmal nachgegangen.

Ich erfuhr, dass bei den Coronabestimmungen oft nicht an dieses Arbeitsfeld gedacht wurde. Zweimal musste die Einrichtung coronabedingt schließen und zuletzt durften sich Jugendliche ab 15 Jahren eigentlich nicht dort treffen, da sie als Erwachsene zählten und nur mit einem anderen Haushalt im Kontakt stehen durften. Trotzdem hat das Oase-Team immer Möglichkeiten gesucht, Kontakte und Beziehung aufrecht zu erhalten. Es war spürbar, dass die Jugendlichen in dieser Zeit mehr die digitalen Medien nutzten und die Bewegung immer mehr vernachlässigt wurde.

Das Zusammensein mit Gleichaltrigen ist so enorm wichtig für die Entwicklung von jungen Menschen und das Team hofft, dass es nach Corona dieses unbeschwerte ZUSAMMEN wieder geben wird. Die Jugendeinrichtungen sind Schutzräume für Kinder und Jugendliche, wenn es Zuhause nicht läuft, sie dort auf große Probleme stoßen. Dieses wichtige Angebot ist zeitweise einfach weggebrochen. Von einzelnen Kindern hat man sogar seit dem ersten Lockdown nichts gehört.

Natürlich hat das Team der Oase im Lockdown den Kontakt zu seinen Kindern und Jugendlichen gesucht und mit einem täglichen Online-Programm über verschiedene soziale Medien und Telefonbereitschaft im 24/7-Dienst versucht, im Kontakt zu bleiben. Einige Kinder und Jugendliche hatten aber auch ganz aktiv den Kontakt zum Team der Oase gehalten und Briefe geschrieben – etwas, was sie vorher wohl nie getan hätten. Oft kamen Fragen von den Kids, was aktuell erlaubt ist, ob und wie viele Freunde sie treffen dürfen.

Im Normalbetrieb besuchen täglich 50-60 Kinder und Jugendliche die Oase, in Coronazeiten dürfen maximal 20 Kinder anwesend sein. Auch müssen die Angebote wie Tonstudio, Töpferei und Holzwerkstatt seit über einem Jahr ruhen, da man hier die Coronabestimmungen nicht einhalten kann.

Dazu kommt, dass ein weiteres wichtiges Projekt der Generationsangebote nicht mehr stattfinden durfte: Es war nicht mehr möglich, die Seniorenrunden stattfinden zu lassen oder die Angebote für Menschen mit Behinderung durchzuführen. Das waren aber wichtige Projekte für die Verständigung zwischen den Generationen und die Überwindung von Barrieren. Die Senioren nutzen die Räumlichkeiten der Oase, um dort Karten zu spielen und kleine Feiern zu erleben. Auch entstanden so Hilfsdienste zwischen den Jugendlichen und den Senioren, z. B. Einkaufsdienste oder kleine Hilfen im Haushalt. Oft erzählen die Senioren, dass sie wiederkommen möchten und dass ihnen der soziale Kontakt sehr fehlt. Man bemerkt, dass manche langsam den Lebensmut verlieren.

Auch war es durch dieses Projekt gelungen, dass junge Menschen sich später für Berufe in der Pflege bzw. im sozialen Bereich entschieden haben. Das dies vorerst weggebrochen ist schmerzt sehr. Doch auch andere Sorgen und Probleme belasten die eigentliche Arbeit.

Da es für die Kinder- und Jugendarbeit keine starke Lobby gibt, muss man immer wieder dafür kämpfen. So wurde durch den Landkreis die Finanzierung auf 80% begrenzt. Die Stadt Plauen beteiligt sich erfreulicherweise freiwillig mit 15%. 5% müssen die Vereine selbst aufbringen. Nun mag 5% nicht viel klingen, aber für den ein oder anderen Verein in der Kinder- und Jugendarbeit sind das schon weit über 10 000 € Eigenleistung. Damit sind diese Träger gezwungen, durch Projekte und Verkaufsangebote das Geld durch die Kinder zu erwirtschaften und Spenden einzuwerben, was in dieser Höhe nicht gelingt. Das ist eigentlich nicht der Sinn von sozialer Kinder- und Jugendarbeit und man kann sich ausrechnen, wie viele Kaugummis man verkaufen muss, um solche Summen zu erwirtschaften.

Darüber hinaus ist auch die immer wieder geforderte Legitimation der Kinder- und Jugendeinrichtungen anhand hoher Besucherzahlen nicht unbedingt zweckdienlich. Hiermit erschwert man das Netzwerkarbeiten zwischen den einzelnen Einrichtungen und das Vermitteln der Kinder- und Jugendlichen an z.B. Sportangebote, Jugendfeuerwehr usw.

Die Wertschätzung durch höhere Stellen für die hier geleistete Arbeit bleibt leider oft aus – Wertschätzung erfährt man von den Kindern und Jugendlichen, die später als Erwachsene die Oase wieder aufsuchen und sich bedanken oder ihre Kinder mitbringen und so die nächste Generation die Angebote nutzt. Das gelingt, weil man wertfrei auf die Jugendlichen eingeht und ihnen die Tür nie verschließt.

An dieser Stelle geht der Appell an die Verantwortlichen, diese Arbeit ernst zunehmen und wertzuschätzen insbesondere auch im Hinblick auf die nicht vorhandene kontinuierliche Finanzierung und die Wertschätzung der vielen ehrenamtlich Tätigen in der Kinder- und Jugendarbeit. Der ständige Kampf kostet einfach unnötige Energie und nimmt die Zeit für die Kernarbeit. Doch das Team der Oase kämpft weiter, weil Beruf eben von Berufung kommt und sie mit Herz und Seele an dieser Arbeit mit ihren Kindern und Jugendlichen hängen.

Ich möchte mich bei euch für das herzliche und wunderbare Gespräch bedanken.

Herzlichen Dank, dass es euch gibt