Im Gespräch mit Julia Blei

Mein Plauen – im Gespräch mit Plauener Kunstschaffenden

Das junge Gesicht der Galerie im Malzhaus: Julia Blei

Ich stehe vor der Haustür und drücke den Knopf. Eine mir vertraute und freundliche Stimme sagt: "Hallo Lars – schön, dass du da bist." Der Frühstückstisch ist gedeckt und wir sitzen draußen auf dem Balkon, mit einem wunderbaren Blick auf Plauen – doch das Malzhaus sieht man nicht. "Es ist schon gut so, dass man nicht immer die Arbeit sieht." Julia lacht und das Gespräch beginnt.

Julia Blei verließ mit 18 Jahren den Ort ihrer Kindheit, Klingenthal, um Kunstgeschichte und Denkmalpflege zu studieren. In Halle fand sie ihr neues Zuhause auf Zeit. 10 Jahre lebte sie dort, blieb der Kunst und der Kultur hier aber sehr nah. Im Herbst 2019 bekam sie die Möglichkeit, sich hier in Plauen für Kunst und Kultur stark zu machen und übernahm die Stelle der Galeristin im Malzhaus.

Ein halbes Jahr hatte Julia, um sich kurz einzuarbeiten und dann musste sie schon als Krisengaleristin ihr Talent unter Beweis stellen. Corona veränderte auch die Abläufe und Möglichkeiten der Ausstellungen. Erst war die Galerie geschlossen und dann wurde sie unter ständig weiterentwickelten Hygienekonzepten teilweise geöffnet.

Seit November 2020 ist sie nun wieder geschlossen – eine Zeit ohne Planung und ohne Gäste. Ausstellungen mussten plötzlich eingestellt, verschoben oder abgesagt werden. Doch Julia Blei lässt sich davon nicht unterkriegen. Mit ihrem Team versucht sie immer wieder, neue Wege zu gehen – gerade auch was die Reichweite der Galerie betrifft. Eher regionale oder angrenzende Bundesländer "berührende" Ausstellungen waren es bisher oft, bald allerdings kommt die Ausstellung über Karl Heinz Adler nach Plauen. Den Namen verbinden viele mit dem Kunstwerk, das aktuell wieder am neuen Rathaus freigelegt wird. Die Werke von Herrn Adler sind weltweit bekannt und auch Weimar als Kunststadt wird hier ein Auge auf Plauen werfen.

Ein Gedanke kommt Julia immer wieder in den Kopf: "Plauen wäre eine großartige Kulturstadt." Bei diesem Thema möchte Sie vor allem die Plauenerinnen und Plauener mit einbeziehen. Was wünscht sich das potenzielle Publikum von seiner Galerie und was würde es dort gerne einmal sehen?

Am Ende unseres Gespräches fragte ich Julia noch nach ihren Wünschen. "Ich habe die Hoffnung, dass die Menschen zur Kultur zurückfinden und dass es Hunger nach neuen Ideen gibt." Für die Stadt Plauen wünscht sie sich eine umweltfreundliche und tolerante Stadtentwicklung und dass man die Kultur nicht vergisst. Gerade bei der aktuellen Finanzlage der Stadt kommen hier berechtige Sorgen auf. Plauen und das Vogtland sollen sich für Kunst und Kultur stark machen und diese unterstützen. Eine lebendige Stadt und ein lebendiger Landkreis brauchen Kunst und Kultur. "Meine Arbeit ist nicht für mich, sondern für die Menschen und das macht mich so unsagbar glücklich."

Julia Blei, eine wunderbare Frau, die Kunst und Kultur versteht, liebt und sich dafür immer wieder einsetzt.

Herzlichen Dank für das inspirierende und leidenschaftliche Gespräch und danke für den Tipp mit dem Käse, habe mir gleich welchen bestellt