Im Gespräch mit Sylvia Simmat

Mein Plauen – im Gespräch mit Plauener Unternehmen

Sylvia Simmat – eine beeindruckende Frau mit unglaublich vielen Berufen

Ich kenne Sylvia schon viele Jahre und mag sie menschlich sehr. So wollte ich auch mit Ihr ein Interview führen und Ihre Geschichte kennenlernen.

Das Gespräch begann mit vietnamesischen Kaffee und leckeren Kuchen vom Biobäcker auf der Neundorfer Straße. Sylvia erzählte mir, wie sie zu dem Beruf der Logopädin gekommen ist. Angefangen hat sie damals als Zahntechnikerin bevor sie für 10 Jahre als Ankleiderin ins Theater Plauen ging. Durch die Fusion mit dem Theater Zwickau und einem Stellenabbau verlor Sylvia ihren Arbeitsplatz. Nun war es an der Zeit, neue Wege zu gehen. Es sollte ein Beruf mit Kommunikation sein, da dies Sylvia schon immer interessiert hat.

Im Arbeitsamt vermittelte man ihr eine Ausbildung zur Logopädin, die auch finanziert wurde. Noch heute ist sie dafür dem Arbeitsamt dankbar. Im Anschluss ließ sie sich noch zur systemischen Therapeutin und Traumatherapeutin ausbilden.

Aktuell macht sie eine Ausbildung zur Sterbeamme. Für sie ist das eine Berufung. Sie sagte mir, die Hebamme hilft ins Leben hinein und eine Sterbeamme begleitet die Menschen im Sterbeprozess, hilft sozusagen aus dem Leben hinaus, und unterstützt die Angehörigen im Trauerprozess.

Alle Berufe kann sie immer wieder gut mit ihrer Tätigkeit als Logopädin verknüpfen. Denn seit 2008 führt sie eine eigene Praxis als selbstständige Logopädin und systemische Therapeutin in ihren Räumen am Löwel-Platz. Hier kann sie ihre Berufe vernetzen und behandelt sowohl Schlaganfallpatienten, Menschen die an ALS erkrankt sind, Demenz, als auch Kinder mit Auffälligkeiten bei der Aussprache von Lauten und bei der Anwendung von grammatikalischen Regeln.

Es ist auffällig, dass immer mehr Kinder Schwierigkeiten haben, ganze Sätze formulieren zu können oder Dinge zu beschreiben. Immer häufiger können sich Kinder nur in Ein- oder Zweiwortsätzen ausdrücken. Dazu kommt, des es ihnen auch schwerfällt, Gehörtes auch zu speichern.

Die Coronazeit hat vieles noch verschlimmert. Gerade die Situation mit den Pflegeheimen waren sehr schmerzlich. Durch das Kontaktverbot war es nicht möglich, mit den Patienten zu sprechen und Übungen zu machen. Oft ist Sylvia hier einer der wichtigsten Kontaktpersonen mit Zeit zum Zuhören und da sein. Aufgrund der Beschränkungen fehlte der Kontakt zu diesen Menschen und die Symptome verschlechterten sich meistens zusehens. Zu erleben, wie ihre Patienten einsam gestorben sind, schmerzt Sylvia bis heute sehr.

Auch Eltern von Kindern, die sie betreut, haben ihr Herz ausgeschüttet und von ihren Sorgen erzählt. Die Schließung von Kitas und Schulen stellte sie vor große Herausforderungen. So mussten immer wieder Lösungen für die Kinderbetreuung, Home-scooling und eigener Arbeit gefunden werden. Die lange Zeit hat die Eltern einfach knülle gemacht und sie berichten, dass sie einfach am Ende und erschöpft sind. Dazu kommen die Unsicherheit und die Sorgen, selbst zu erkranken oder Familienangehörige anzustecken und die Frage nach den Nebenwirkungen von Impfungen für ihre Angehörigen, die hier behandelt werden.

Die entstandene Kontaktarmut und das Besuchsverbot in den Kliniken machen die Menschen krank. Und so nimmt die systemische Arbeit sehr zu. Depressionen müssen jetzt viel öfter behandelt werden. Die Informationsflut mit negativen Nachrichten steht nicht mehr im Verhältnis zu positiven Nachrichten, wie z.B. Berichte über die Zahl der nicht erkrankten Personen, oder wie viele Personen wieder genesen sind. Auch Tipps zur Stärkung des Immunsystems kommen viel zu kurz. Es muss den Menschen wieder die Angst genommen werden, da Angst das Immunsystem schwächt und man muss die Seele der Menschen wieder stärken. Hier brauchen wir eine ausgewogene Nachrichteninformation.

Aus den Erfahrungen der letzten Zeit wünscht sich Sylvia, dass die Menschen wieder miteinander reden und nicht gegeneinander. Man bekommt das Gefühl, dass dieser Virus die Gesellschaft spaltet und dies gerade auch durch und in den sozialen Medien. Es ist wichtig, dass wir andere Meinungen neutral und wertfrei anhören und diese uns im besten Fall neugierig machen. Oft äußert sich das Denken aber nur in schwarz und weiß. Wir sollten einander zuhören, ohne zu verurteilen. Wenn wir das können, kann es auch in unserer Stadt wieder gut funktionieren.

Ich bin eigentlich ein positiver Mensch, aber hier habe ich große Bedenken. Deshalb ist mir ein Leitspruch besonders wichtig:

Urteile nie über einen anderen Menschen, bevor du nicht 7 Meilen in seinen Schuhen gelaufen bist.

Liebe Sylvia, herzlichen Dank für dieses Gespräch und den Einblick in dein beeindruckendes Leben.