„Und Plauen wird diese Zukunft sein!“

Mein erstes Interview als OB-Kandidat zum Mithören und Nachlesen

Vor der öffentlichen Bekanntgabe meiner Kandidatur habe ich mir natürlich verschiedentlich Rat und Kritik im Freundes- und Bekanntenkreis eingeholt. Dazu gehört auch der Plauener Autor und Journalist Markus Schneider, den ich um seine Meinung zu meinem Wahlprogramm bat. Als Antwort bekam ich nur eine kurze Nachricht: „Interview morgen 11:30 Uhr! Ich ruf dich an.“ Wie ich ihn kannte, meinte er das wahrscheinlich wirklich ernst. Aber gut, das könnte vielleicht gleich ein gutes Training abgeben, dachte ich mir – leicht aufgeregt und angespannt – und beschloss, das Gespräch zu diesem Zweck mitzuschneiden. Am Ende war es gar nicht so schlecht gelaufen. Deshalb stelle ich es hier (mit Markus’ Einverständnis natürlich) einfach online, weil es meine Ansichten, Ziele und Beweggründe etwas näher erläutert und verdeutlicht.

Hier finden Sie die (sprachlich überarbeitete) Lese-Version dieses Interviews:

M: Mahlzeit! Du willst Oberbürgermeister werden ...

L: Ja, ich will Oberbürgermeister werden. Den Gedanken trage ich ja schon viel länger. Zur OB-Wahl 2014 dachte ich bereits drüber nach, mich aufstellen zu lassen, sagte mir dann aber: Nee, das kannst du jetzt nicht bringen. Da musst du dich erst mal noch ein bisschen in die ganze Materie einarbeiten. Und genau deswegen habe ich die letzten sieben Jahre intensiv genutzt, mich darauf vorzubereiten. Jetzt ist es soweit, jetzt fühle ich mich reif genug, jetzt möchte ich angreifen!

M: Aber mal ernsthaft: Du bist ein toller Erzieher, das weiß ich. Du kannst singen, du kannst Gitarre spielen. Und du sammelst Postkarten. Was genau davon qualifiziert dich jetzt gleich noch mal zum Chef der Stadt? 

L: Eine berechtigte Frage, für die man kurz in die Geschichte zurückblicken kann: Unsere sämtlichen Oberbürgermeister hatten ja auch mal ein Berufsleben vor ihrer Amtszeit – und das hatte oft gar nichts mit der Ausübung des Amts zu tun. Also mussten die sich auch von einem ganz anderen Berufsfeld in die neue Aufgabe einarbeiten. Ich kann für mich aber sagen, dass ich Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen kann und dass ich Führungsqualitäten besitze. Ich kann Menschen begeistern und auf neuen Wegen mitnehmen. Diese Eigenschaften waren in meinen letzten 20 Berufsjahren von zentraler Bedeutung.

M: Führungsqualitäten? Woran machst du die denn fest?

L: Ich verstehe unter Führungsqualität vor allem Motivation. Wer Menschen leiten und führen möchte, muss sie zuerst mal motivieren können. Motivation ist der Motor für alles. Und ich besitze genau diese Gabe. Das merke ich bei der Arbeit mit den Kindern, in der Elternarbeit, im Elternrat, in der Gewerkschaft, im Personalrat. Motivation ist das A und O.

M: Warum hast du nicht schon früher bekanntgegeben, dass du kandidieren willst? Es ist ja nicht so, dass es keine Gerüchte gegeben hätte ...

L: Ja, das stimmt. Gerade in den vergangenen Wochen und Monaten wurde ich ganz oft darauf angesprochen. Das war für mich als kommunikativer Mensch eine der härtesten Prüfungen, dass ich da noch nichts sagen konnte oder durfte. Aber ich wollte wirklich keine voreilige Entscheidung treffen. So eine Oberbürgermeisterkandidatur schüttelt man ja nicht aus dem Handgelenk, die sollte gut vorbereitet sein. Und ich glaube, dass ich das den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt auch schuldig bin.

M: Und du glaubst wirklich, dass du da eine Chance hast – so ganz ohne Unterstützung im Rücken? Wäre es nicht vielleicht schlauer gewesen, sich da zumindest des Rückhalts einer Fraktion zu versichern?

L: Ja, das habe ich durchaus erwogen. Aber für mich stand auch von Anfang an die Parteilosigkeit fest. Der Oberbürgermeister einer Stadt sollte eigentlich immer parteilos und parteiübergreifend agieren können. Er vertritt ja vorrangig die Bürger der Stadt – und die haben wirklich sehr verschiedene Facetten. Und schau, ich bin aktuell für die Initiative Plauen als beratender Bürger im Wirtschaftsförderungsausschuss der Stadt tätig. Dadurch bekomme ich auch einen guten Einblick in die Funktionsweisen der Parteiarbeit. Da spielt Loyalität eine große Rolle – und mein Eindruck ist, dass genau dies oftmals eine objektive Sichtweise auf verschiedene Dinge eher verhindert. Als Oberbürgermeister möchte ich aber in der Entscheidungsfindung für unsere Bürgerinnen und Bürger unabhängig sein.

M: Du hast ja sogar schon so etwas wie ein Wahlprogramm. Fangen wir gleich mal ganz oben an: Moderne Infrastruktur! Da steht auch was von Smart City … Nicht vielleicht ein bisschen hochgegriffen?

L: Überhaupt nicht. Smart City ist ein absolut toller Begriff für eine zukunftsorientierte Denkweise. Zwei kurze Worte mit so viel Inhalt und Tragweite, die einfach Lebensqualität für Einwohner und Besucher unserer Stadt bedeuten. Das erreiche ich beispielsweise durch neue Arten von Mobilität. Mein Ziel ist auch, vorhandene Infrastrukturen zu verbessern, moderne Informations- und Kommunikationstechniken einzusetzen. Smart City baut genau auf die Verwendung der vorhandenen Ressourcen und da bin ich überzeugt, dass sich der Stadt daraus ganz neue Möglichkeiten erschließen, die man einfach nutzen sollte. Das sind unheimlich tolle Konzepte – von Smart Economy und Nachhaltigkeit über die Einbindung der Bevölkerung in die städtische Entwicklung bis hin zu Telemedizin, Energie und Umwelt. Total spannend! Und wenn du jetzt einfach mal ein bisschen über den Tellerrand hinausblickst: Die Stadt Leipzig, zum Beispiel, verfolgt dieses Konzept schon seit 2007. Da würde ich sofort Kontakt aufnehmen, um zu erfahren, wie die das gemacht und welche Erfolge sie schon erzielt haben.

M: Leipzig ist aber zehnmal so groß wie Plauen und wird nicht erst seit der letzten Kreisgebietsreform mit ganz anderen Mitteln aus Dresden versorgt. Das ist eine Metropole, die du doch nicht mit Plauen vergleichen kannst!

L: Das stimmt natürlich, aber die zugehörigen Förderprogramme kommen ja nicht aus Dresden, sondern vom Bund. Mein Ziel ist einfach, mit Städten, die Smart City schon anwenden, ins Gespräch zu kommen. Deren jahrelange Erfahrung auf dem Gebiet müssen wir doch jetzt nutzen, damit es bei uns schneller vorangeht, dass wir unsere Stadt schneller zukunftsfähig machen.

M: Na gut, da spielen ja die ganzen anderen Punkte auch mit rein: ganzheitliches Mobilitätskonzept, Radwegeanbindung, Leitsystem ... Aber das kostet alles ein Schweinegeld! Wie willst du das auf den Weg bringen?

L: Die Welt schläft nicht und auch wir müssen uns dem Wandel ein Stück weit stellen. Ich sehe Smart City als Zukunftschance für Plauen, die wir einfach nutzen sollten. Es gibt da zum Beispiel seit über drei Jahren dieses Förderprogramm „Modellprojekt Smart Cities“, das gerade für Kommunen mit so einer schwierigen Haushaltslage wie in Plauen interessant ist, denn da liegt die Förderung bei bis zu 90%! Und man darf nicht vergessen: Fördermittel sind auch Steuergelder. Ich möchte den Plauenern auf diese Weise einfach einen Teil ihrer Gelder, die sie bezahlen, für ihre Zukunft zurückgeben.

M: Na schön  und smart geht es gleich weiter: Smarte Verwaltung. Alles voll smart bei dir ... Also die Idee kapiere ich ja. Aber ist das nicht schon längst im Gange?

L: Ja, das ist schon im Gange, aber viel zu langsam. Das muss wirklich angeschoben werden. Die Coronazeit hat ja auch die Schwachstellen der Verwaltung offengelegt. Wir müssen unbedingt die Digitalisierung voranbringen! Unterschriften und Kommunikation auf digitaler Basis sind ja nun wirklich kein Hexenwerk mehr. Und auf der anderen Seite reden jetzt auch Omas und Opas mit ihren Enkeln per Videoanruf oder nehmen an Videokonferenzen teil. Da bin ich mir einfach sicher, dass wir in diesem Prozess auch alle Generationen mitnehmen können.

M: Okay, dann hier: die starke Bürgerschaft. Wow! Das heißt also, im Moment sei sie schwach?

L: Nein, da verstehst du mich falsch. Unsere Bürgerschaft ist aktiv und sprudelt vor Ideen, das merke ich immer wieder. Ich bin ja wirklich viel unterwegs und unterhalte mich mit ganz vielen Menschen, da werden so viele Ideen geäußert und die Leute wollen wirklich mittun. Genau dieses Potenzial möchte ich endlich nutzen. Für die Stadt ist es enorm wichtig, dass wir die Bürgerinnen und Bürger einfach wieder mit einbeziehen.

M: Du willst für jeden Stadtteil einen Bürgermeister einberufen. Ich nehme an, du meinst die fünf Stadtgebiete?

L: Ich beziehe mich hier wirklich auf die Stadtteile. In den Ortschaften wie Jößnitz, Neundorf und Straßberg haben wir ja bereits die Ortschaftsräte, die eine wichtige Funktion ausüben – als Bindeglied zwischen Rathaus und Ortschaft. Und darauf gründet auch meine Idee. Ich möchte in Zukunft in jedem Stadtteil einen Ansprechpartner haben. Denn geh mal rein in die Stadtteile: Die Menschen dort haben Sorgen und Probleme, die oftmals gar nicht mehr bis ins Rathaus gelangen, wo jedoch die Entscheidungen getroffen werden – über, aber nicht mit den Bürgern. Und das muss sich ändern! Plauen besteht ja nicht nur aus seinem Zentrum, sondern aus seinen ganzen Stadtteilen. Und das ist mein primäres Ziel: Ich möchte Stadtteilbürgermeister oder -bürgermeisterinnen etablieren. Die können dann auch Verwaltungsaufgaben mit übernehmen, um es den Bürgern einfach ein bisschen leichter zu machen.  

M: Ja, aber wie sollen die denn a) gewählt und b) bezahlt werden?

L: Wir hatten vorhin schon mal die smarte Verwaltung angesprochen. Durch die Umstrukturierung gelingt es uns dort, freie Stellen zu schaffen und damit wird auch Personal frei, um diese Stadtteilbürgermeister oder -bürgermeisterinnen zu installieren. Eine wesentliche Voraussetzung ist natürlich, dass die jeweilige Person auch einen Bezug zu dem entsprechenden Stadtteil hat. Und damit sie dort schnell und bürgernah handeln können, sollen diese Mitarbeiter weisungsfrei arbeiten und direkt dem Oberbürgermeister unterstellt sein.

M: Durch Umstrukturierung freie Stellen schaffen – das heißt mit anderen Worten: Personalabbau  oder? Ich glaube, da kriegen gerade eine Menge Leute Angst um ihren Job …

L: Für mich bedeutet Umstrukturierung auf keinen Fall Entlassungen! Vielmehr gibt es bei mir für die Mitarbeiter einfach neue Perspektiven und eine positive Veränderung ihres Arbeitsablaufes. Das Ziel muss doch sein, vorhandene Ressourcen optimal zu nutzen. Und gerade wir als Stadt sollten doch wissen, dass gutes Fachpersonal nicht mehr Schlange steht. Diese Zeiten sind vorbei. Deshalb ist es wichtig, dass wir unsere Mitarbeiter halten und in die Digitalisierung einbeziehen. Ich möchte ja die Verwaltung modern aufstellen – und das können wir auch nur gemeinsam.

M: Dann haben wir hier noch: Urbanes Plauen. Das klingt zwar besser als ländliches oder provinzielles Plauen. Aber die soziale Verantwortung und kulturelle Vielfalt lassen sich politisch immer leicht einfordern, weil das stets die Bereiche sind, wo als erstes gespart wird. Wie willst du da die Kehrtwende schaffen?

L: Ein urbanes Plauen kann uns nur gelingen, wenn wir alle daran mitarbeiten: die Bürger und Bürgerinnen, die Stadtverwaltung. Wir müssen Plauen wieder zu einer Gesamtheit als gewachsene Stadt machen und dafür sorgen, dass das auch so wahrgenommen wird. Es geht zunächst darum, die vielen Facetten und die Lebensqualität der einzelnen Stadtteile und Ortsteile zu fördern und sie mit unserem Stadtkern wieder markant zu verschmelzen. Das ist eine wirklich wichtige Aufgabe. Und dazu zählt auch die Finanzierung der sozialen und kulturellen Angebote. Ohne Moos ist da nix los und deshalb gehe ich auch weg von der Idee oder von der Illusion, hier einen großen Großbetrieb ansiedeln zu wollen.

M: Wieso das?

L: Wir sollten unseren Fokus vielmehr auf den Mittelstand setzen. Da gibt es einen Heimatbezug, da geht es um die Nutzung regionaler Angebote, und auch das ist von enormer Wichtigkeit.

M: Aber der Mittelstand, auf den du setzen willst, steht gar nicht mehr so gut da wie vielleicht noch vor 10 oder 15 Jahren. Stichwort Einzelhandel, Gastronomie. Ich kann mich auch gut daran erinnern, dass es in jener Zeit noch ein halbes Dutzend Clubs und Diskotheken in Plauen gab. Also, von welchem Mittelstand sprichst du?

L: Da gebe ich dir recht und wie findest du das selber? Vermutlich wie viele Plauener auch. Aber wir sind ja auch im Wandel und können da jetzt nicht schlafen. Nur ein kleines Beispiel: Vor 70 Jahren gab es in Plauen ca. 45 Geschäfte, die mit Kohlen gehandelt haben – da suche mal heute eins. Oder schau, einst gab es über 100 Schuhmacher – wie viele findest du denn heute noch in Plauen? Mein Beispiel ist vielleicht ein bisschen überspitzt, aber es zeigt deutlich, dass wir uns ständig Veränderungen stellen müssen. Mir geht es einfach darum, den Mittelstand in Plauen zu halten und neuen Start-ups genau hier eine Heimat zu bieten. Und auch das kann uns nur gemeinsam gelingen.

M: Neue Start-ups? Auf die warten wir ja schon lange. Wo sollen die denn herkommen?

L: Du hast ja meinem Wahlprogramm wahrscheinlich angemerkt, dass ich ganz auf die Modernisierung unserer Stadt setze. Und da kommt auch das Konzept Smart City wieder zum Tragen: Ich möchte ein Klima erzeugen, in dem sich Unternehmen gern ansiedeln, eine Art Gründeratmosphäre schaffen! Die Voraussetzungen müssen wir als Stadt bieten: Effizienz, Schnelligkeit, Breitband, Netzwerke und vieles mehr. Für junge Gründer muss Plauen wirklich zu einer Alternative auf der Landkarte werden – egal, aus welchen Branchen sie kommen. Und ich sehe da wirklich Ansiedlungen von Tech-Unternehmen, Finanztechnologie, Medizin- und Telekommunikationstechnologie. Denn bei solchen Unternehmen ist die Standortfrage gar nicht mehr so entscheidend, es geht eher um Vernetzung und die Voraussetzung, kreativ arbeiten können. Und da können wir ein eigentliches Problem in Plauen effektiv nutzen: den Leerstand von Wohn- und Gewerbeflächen. Der somit günstige Mietspiegel ist doch optimal für Neugründungen! Und wenn es uns dann noch gelingt, im Zuge des Ausbaus der BA dort einen Studiengang anzusiedeln, der solchen Start-ups in die Karten spielt, dann wäre das natürlich genial. Wenn sich die Start-ups aber erst mal richtig wohlfühlen und den Slogan „Ich wähle Plauen“ für sich vereinnahmen – das wäre doch gigantisch! Fakt ist: Den Start-ups gehört die Zukunft. Und Plauen wird diese Zukunft sein, das verspreche ich dir!

M: Na gut, ich sehe, du steigst nicht ganz unvorbereitet in den Ring. Aber Lars, das ist die Politik, wenn auch nur kommunal. Da wird echt mit harten Bandagen gekämpft! Ich kenne dich persönlich schon sehr lange als liebenswürdigen, verständnisvollen, empathischen Menschen, der fraglos das Herz am rechten Fleck hat und für seine Heimatstadt wahrscheinlich sogar sterben würde. Aber willst du dir das wirklich antun?

L: Ganz ehrlich: Es wäre mir wirklich eine Ehre, wenn ich für diese Stadt mein Herzblut geben darf, und das weißt du. Es geht um unsere Zukunft, es geht um Plauen, um die Bürgerinnen und Bürger, es geht um uns alle. Das muss man einfach mal so sagen: Wir sind Plauener – und wir sind Plauen.

 

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